Die Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg beantwortete uns einige Fragen, die wir zur Recherche nutzen konnten.

Welche Tipps haben Sie an einen Betrieb, der seine Ausbildungsstellen nicht besetzen konnte?

Die deutschlandweit zugängliche IHK-Lehrstellenbörse bietet Unternehmen die Möglichkeit, auch noch kurzfristig offene Ausbildungsplätze auszuschreiben. Unternehmen können, nach der Registrierung bei der jeweils zuständigen Kammer, kostenlos alle offenen Ausbildungsplatzstellen in die Börse einstellen. Zusätzlich können die Angebote mit individuellen Informationen oder Voraussetzungen angereichert und eine sogenannte „Matching-Funktion“ aktiviert werden. Diese benachrichtigt die Unternehmen immer dann, wenn ein Profil eines Interessentens oder Schülers hohe Übereinstimmungen mit der ausgeschriebenen Ausbildungsstelle hat und ermöglicht im Folgenden die direkte Kontaktaufnahme zum/zur potentiellen Kandidaten.

Die Ausbildungsplatzmessen in Ostwürttemberg stellen ebenfalls eine Möglichkeit für Unternehmen dar, um mit potenziellen Auszubildenden in Kontakt zu kommen und freie Ausbildungsplätze zu besetzen. Die nächsten Ausbildungsplatzmessen finden im Congress Center in Heidenheim am 16. November 2019 und in den beruflichen Schulen in Ellwangen am 23. November 2019 statt.

Wie kann ein Betrieb eine Chancen verbessern?

Die IHK bietet Mitgliedsunternehmen verschiedene Aktivitäten und Produkte zum Azubi-Marketing an. Das neuste Produkt zur Gewinnung von Auszubildenden ist der „Azubi-Pass“. Das Projekt „Azubi-Pass – Azubi für eine Woche im Unternehmen“ soll Schüler und Interessierten die exklusive Chance bieten, eine Woche als Azubi in einem authentischen Wochenpraktikum den Berufsalltag eines Auszubildenden im jeweiligen Ausbildungsberuf kennenzulernen. Teilnehmer des Projektes können so schon vorab ihren Vorstellungen zum Berufsbild austesten, das Unternehmen kennenlernen und so auch die Anforderungen kennenlernen, die ein Unternehmen an Auszubildende stellt. Zudem erhalten die Schüler die Chance, bereits frühzeitig einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Unternehmen sind aktiv am Auswahlprozess der Teilnehmer beteiligt und können so die potenziellen Auszubildenden bereits im Voraus kennenlernen.

Zusätzlich zum Azubi-Pass gibt es die Möglichkeit für Unternehmen am Azubi-Speed-Dating im Rahmen des Tags der Ausbildungschance teilzunehmen. Dort können sich Schüler in zehnminütigen Gesprächen bei verschiedenen Unternehmen vorstellen, diese kennenlernen und erste Bewerbungsunterlagen einreichen.

Die jährlich erscheinende Ausbildungsbroschüre „läuft. – Dein Weg in den Beruf“ bietet Unternehmen ebenfalls die Möglichkeit, sich als Ausbildungsstätte zu präsentieren. Durch die Eintragung in den Ausbildungsatlas können Interessierte sich über Ausbildungsmöglichkeiten informieren und direkt Bewerbungen versenden oder Kontakt zum jeweiligen Unternehmen aufnehmen.

Durch diverse Aktivitäten im Rahmen einer Bildungspartnerschaft mit Schulen können Unternehmen schon frühzeitig ein Bewusstsein bei den Schülern für die Ausbildungsstätte und Ausbildungsberufe schaffen. Schüler erhalten hierdurch vor allem einen Einblick in das Unternehmen, die Berufswelt und zusätzlich den ersten Kontakt in die Wirtschaft. Bildungspartnerschaften sollen Schüler in der Berufsorientierung unterstützen und die beruflichen Möglichkeiten praxisnah aufzeigen.

Eine weitere Möglichkeit des Azubi-Marketings für Unternehmen bietet der Einsatz von Ausbildungsbotschaftern. Unternehmen können Auszubildende als Ausbildungsbotschafter auswählen und vorbereiten lassen. Die Ausbildungsbotschafter werden bei Schulveranstaltungen eingesetzt und präsentieren den Schüler dort, wie sie bspw. die Entscheidung für Ihren Ausbildungsberuf getroffen haben, warum sie sich für das jeweilige Unternehmen entschieden haben und wie die Ausbildung sich bisher gestaltet hat.

Welche Voraussetzungen braucht ein Betrieb, um eine Einstiegsqualifizierung durchzuführen? Unterscheidet sich dies zur Ausbildung?

Durch Einstiegsqualifizierungen können Unternehmen lernschwächeren Jugendlichen die Chance bieten, in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten Teile eines Ausbildungsberufes, ein Unternehmen und auch den beruflichen Alltag kennenzulernen. Unternehmen schließen mit dem betreffenden Mitarbeiter einen Vertrag über eine Einstiegsqualifizierung und setzten darin fest, dem Jugendlichen fachspezifische und soziale Kompetenzen zu vermitteln und schulpflichtigen Jugendlichen den Besuch einer Berufsschule zu ermöglichen. Die Unternehmen sind verpflichtet den Jugendlichen sowohl bei der Krankenkasse als auch der Berufsgenossenschaft zu melden. Des Weiteren können Unternehmen bei der Agentur für Arbeit einen Antrag auf Zuschuss zur EQ-Vergütung stellen, sodass ein monatlicher Vergütungszuschuss geleistet wird und der Gesamtsozialversicherungsbetrag übernommen wird. Die Durchführung einer Einstiegsqualifizierung kann dem Jugendlichen ebenfalls auf das erste Jahr der Ausbildung angerechnet werden, wenn der Besuch der Berufsschule nachgewiesen werden kann.

Im Gegensatz zur Ausbildung, müssen Unternehmen, die Einstiegsqualifizierungen anbieten und durchführen wollen, keine Ausbildungsstätten im Sinne des Berufsbildungsgesetzes sein und somit auch keinen Ausbilder bei der IHK eintragen lassen.

Was muss ein Betrieb beim Einstellen von Leistungsschwächeren oder Bewerbern aus nicht europäischen Asylzugangsländern beachten?

Vor Beginn einer Ausbildung muss er den Aufenthaltsstatus des Flüchtlings kennen. Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis (nach § 25 Absatz 1 oder Absatz 2 Aufenthaltsgesetz) dürfen ohne Einschränkung eine Ausbildung oder Arbeit beginnen. Flüchtlinge mit Aufenthaltsgestattung oder einer Duldung dürfen in den meisten Fällen nach dreimonatigem Aufenthalt eine Ausbildung aufnehmen. Sie müssen dafür eine Erlaubnis der Ausländerbehörde einholen, die in die Ausweispapiere eingetragen wird. In den meisten Fällen haben Flüchtlinge oder Asylbewerber bereits einen zuständigen Ansprechpartner beim Jobcenter oder der Agentur für Arbeit, welcher zunächst über das Vorhaben einer Ausbildung informiert werden sollte.

Unternehmen sollten vor Vertragsabschluss darauf achten, dass bei Bewerbern aus Asylzugangsländern die betreffende Person ein B2-Sprachniveau in Deutsch hat, um sicherzustellen, dass die Ausbildung durchgeführt werden kann und berufsbezogene Deutschkenntnisse vorhanden sind.

Zudem ist zu empfehlen, dass die potenziellen Auszubildenden vor Ausbildungsbeginn ein Berufsorientierungspraktikum (max. 3 Monate) im Unternehmen absolvieren sollten. Alternativ dazu kann ebenfalls eine sechs- bis zwölfmonatige Einstiegsqualifizierung angeboten werden, nach Bedarf auch in Kombination mit einem Sprachkurs. Ziel ist das Erlernen von berufsbezogenen Deutschkenntnissen und die stufenweise Integration in das duale Ausbildungssystem.

Das Unternehmen sollte sowohl in Bezug auf leistungsschwächere Auszubildende als auch Auszubildende mit Migrationshintergrund einen engen Kontakt zu Berufsschullehrern der betroffenen Personen als auch zu den Ausbildern und Personen mit Ausbildungsauftrag pflegen. So kann umgehend reagiert werden, falls theoretische oder praktische Defizite festgestellt werden.

Des Weiteren kann präventiv leistungsschwächeren Auszubildenden von Ausbildungsbeginn an Nachhilfe angeboten werden, entsprechend ihres jeweiligen Defizits und Unterstützungsbedarfs. 

Gibt es Vermittlungsstellen, die den Kontakt zwischen Leistungsschwächeren beziehungsweise Flüchtlingen und dem Betrieb herstellen?

Unternehmen, die Interesse an einer Beschäftigung von Leistungsschwächeren oder Flüchtlingen haben, können sich zum einen an das ortsansässige Job Center der Agentur für Arbeit wenden. Vorrangig sollten sich Unternehmen dort an die U25 Abteilung wenden, da diese Betroffene unter 25 Jahren bei der Vermittlung unterstützt. Zusätzlich hierzu bietet Alexander Breyer, Kümmerer der IHK Ostwürttemberg, sich im Kammergebiet um die Vermittlung von Flüchtlingen in Ausbildungen.

Gibt es Förderungsmöglichkeiten für den Betrieb, bei der Suche nach Auszubildenden?

Aufgrund der momentanen wirtschaftlichen Lage haben Unternehmen keinen Anspruch auf finanzielle Fördermöglichkeiten bei der Suche nach Auszubildenden.

Worauf muss ein Betrieb, beider Arbeitserlaubnis eines Auszubildenden aus einem nicht europäischen Asylzugangsland achten?

Aufgrund verschiedener Ermessensräume sollten Unternehmen im Voraus bei der zuständigen Ausländerbehörde nachfragen und sich erkundigen, welche erforderlichen Unterlagen und Dokumente für den zuständigen Mitarbeiter (Flüchtling) nachgereicht werden müssen. In den meisten Fällen haben Flüchtlinge oder Asylbewerber bereits einen zuständigen Ansprechpartner beim Jobcenter oder der Agentur für Arbeit, welcher zunächst über das Vorhaben einer Ausbildung informiert werden sollte. Im Schriftverkehr mit dem zuständigen Ansprechpartner der betreffenden Ausländerbehörde sollte ebenfalls angeführt werden, dass eine Vorrangprüfung bereits durch das Unternehmen vorgenommen wurde /stattgefunden hat.