Unsere Fragen wurden von Karin Schmid, Geschäftsführerin Bildung und Mitgliedschaft der Handwerkskammer Ulm beantwortet.

Welche Tipps haben Sie an einen Betrieb, der seine Ausbildungsstellen nicht besetzen konnte?

  • Offene Stelle in die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Ulm eintragen
  • Auf die Passgenaue Besetzung der Handwerkskammer Ulm zugehen (mögliche Bewerber vielleicht bereits registriert)
  • Stellenanzeige neben Zeitung auch auf die eigene Homepage oder Social-Media-Kanäle nehmen (Zielgruppengerechte Ansprache Bewerber)
  • Beratung durch Agentur für Arbeit für unversorgte Bewerber
  • Analyse wie Sie als Arbeitgeber wahrgenommen werden
  • Zugang auf Schulen, um Schülerpraktika anzubieten. Dies zeigt den Partnern, ob ein LV im Nachgang (ggf. erst nächstes Jahr) vereinbart werden kann.
  • Bildungspartnerschaften vereinbaren und diese pflegen (siehe auch Antwort auf Frage 3)

Wie kann ein Betrieb seine Chancen verbessern? Haben Sie Tipps zum Azubi-Marketing?

  • (Senior-)Ausbildungsbotschafter werden – an Schulen Ausbildungsberuf vorstellen
  • Bildungspartnerschaften mit Schulen eingehen – Einblick in Beruf verschaffen, Praktika, Ausbildungsstellen anbieten
  • Materielle + immaterielle Bindungsinstrumente überdenken bzw. anbieten, z.B. Urlaubsgeld oder Mitarbeiterevents
  • Dem Bewerber z.B. über Homepage die Chance geben, zu erfahren, was der Betrieb ihm als Arbeitgeber bietet („Was ist besonders/ wo hebt sich der Betrieb ab?“)
  • Karriereseite + Stellenanzeigen auf Homepage wichtig
  • Mitarbeiter binden und führen (Personalberatung Handwerkskammer Ulm)
  • Sich selbst oder im Verbund auf Messen zeigen. Regionale Angebote der Handwerkskammer Ulm annehmen, z.B. Teilnahme an den Ausbildererfahrungskreisen

Bieten Sie Betrieben Hilfestellungen bei der Suche nach Auszubildenden an?

Ja, zum Beispiel die Ausbildungsberater und die Passgenaue Besetzung. Im Jahr 2018 wurden im Projekt „Passgenaue Besetzung“ mehr als 300 Jugendliche und rund 260 Betriebe in allen Landkreisen im Gebiet der Handwerkskammer Ulm beraten. Betriebe werden in einem persönlichen Gespräch beraten, anschließend wird mit dem Berater ein Anforderungsprofil für die Lehrstellenbörse erstellt, um nach geeigneten Bewerbern zu suchen. Andersherum werden interessierte Jugendliche beraten und ggf. vermittelt. Durch die Vermittlung ausbildungswilliger Bewerber mit betrieblichen Anforderungen wird dem zukünftigen Bedarf an Fachkräften vorgebeugt und das Risiko von Ausbildungsabbrüchen verringert.

Gibt es Förderungsmöglichkeiten für den Betrieb bei der Suche nach Auszubildenden?

Es gibt keine finanziellen Förderungen für Ausbildungsbetriebe. Mitgliedsbetriebe dürfen jedoch kostenlos alle Beratungsleistungen ihrer Handwerkskammer rund um das Thema Ausbildung nutzen und sich Unterstützung holen.

Welche Voraussetzungen braucht ein Betrieb um eine Einstiegsqualifizierung durchzuführen? Unterscheidet sich dies zu den Vorrausetzungen als Ausbildungsbetrieb?

Für die Einstiegsqualifizierung ist wie für die Ausbildung von Vorteil, dass im Betrieb ein Mitarbeiter die Ausbildereignungsprüfung bestanden hat. Der Meisterbrief beinhaltet den Ausbildereignungsschein. Eine Einstiegsqualifizierung bietet beispielsweise lernschwachen Schülern die Möglichkeit, durch Praktika in Handwerksberufe hinein zu schnuppern. Ziel der Einstiegsqualifizierung ist es, durch ein Langzeitpraktikum Betrieb und jungen Menschen ohne Ausbildungsreife zusammenzubringen und gemeinsam herauszufinden, ob die berufliche Richtung und die Zusammenarbeit funktionieren. Idealerweise kommt so nach mindestens sechs, spätestens zwölf Monaten Einstiegsqualifizierung ein Ausbildungsverhältnis zustande.

Die Ausbildungsberater erarbeiten gerne mit dem Betrieb Lösungen, die Ausbildungsberechtigung zu erhalten.

U.U. kann die Einstiegqualifizierung auf die Ausbildungszeit angerechnet werden (Besuch der BS, Führen Berichtsheft).

Gibt es Vermittlungsstellen, die den Kontakt zwischen Leistungsschwächeren beziehungsweise Geflüchteten aus nichteuropäischen Asylzugangsländern und dem Betrieb herstellen?

Für die Flüchtlinge ist unsere Beraterin im „Kümmerer-Projekt“ zuständig, die die jungen Menschen bei allen Fragen zum Thema Ausbildung im Handwerk begleitet. Flüchtlinge mit ausreichenden Deutschkenntnissen und hoher Bleibeperspektive erhalten Unterstützung mit dem Ziel der Vermittlung in ein Praktikum, eine Einstiegsqualifizierung oder eine Ausbildung.

www.hwk-ulm.de/kuemmerer/

Betriebe, die sich engagieren und einen Flüchtling bei sich beschäftigen wollen, werden von dem „Willkommenslotsen“-Projekt unterstützt.

www.hwk-ulm.de/willkommenslotse/

Für Leistungsschwächere bieten wir mit unseren Ausbildungsberatern Unterstützung zur Vermittlung, beispielsweise in Praktika, Einstiegsqualifizierungen oder Ausbildungen.

Für behinderte Menschen bieten wir Inklusionsberatung: www.hwk-ulm.de/ausbildung-fachkraefte/

Was muss ein Betrieb beim Einstellen von Leistungsschwächeren oder Bewerbern aus nichteuropäischen Asylzugangsländern beachten?

Wichtig ist, bei Bewerbern aus nicht-europäischen Asylzugangsländern oder Geflüchteten zunächst den Status zu überprüfen. Dazu muss der Ausweis überprüft werden. Der Geflüchtete braucht den Status der Aufenthaltserlaubnis, um in Deutschland arbeiten zu dürfen. Bei dem Status „Aufenthaltsgestattung“ oder dem Status „Duldung“ muss für jede Beschäftigung (Praktikum, Ausbildung, Fachkraftstelle,…) eine Genehmigung der Ausländerbehörde eingeholt werden.

Zudem können sich Betriebe nach den Vorkenntnissen bzw. der Berufserfahrung erkundigen („Ausbildungsreife“).

Außerdem können Betriebe, die sich bei den Themen Inklusion und Integration engagieren, Förderung beantragen. So zum Beispiel bei der Agentur für Arbeit den Eingliederungszuschuss oder die Förderung für die Beschäftigung Langzeitarbeitsloser. Beratung bietet auch hier die Handwerkskammer Ulm: www.hwk-ulm.de/ausbildung-fachkraefte/

Worauf muss ein Betrieb bei der Arbeitserlaubnis eines Auszubildenden aus einem nichteuropäischen Asylzugangsland achten? Haben Sie als Institution bereits Erfahrungen mit der Thematik gemacht?

Wie gesagt, zentral ist es, den Aufenthaltsstatus zu überprüfen. Hinzu kommt, dass der Vermerk auf dem Ausweis „Beschäftigung nicht erlaubt“ bedeutet, dass keine sichere Identität nachgewiesen werden konnte. Das bedeutet, dass bei diesem Geflüchteten ein Arbeitsverbot vorliegt.

Welche Stelle in Ihrer Institution kann ein Handwerksbetrieb bei Schwierigkeiten mit Auszubildenden/ Einstiegsqualifikanten kontaktieren?

Für Auszubildende und Einstiegsqualifikationen sind unsere Ausbildungsberater Ansprechpartner. www.hwk-ulm.de/rund-um-ausbildung__trashed/

Bei dem Thema Integration von Geflüchteten sind unsere Beraterin im Kümmerer-Projekt und für Betriebe, die Geflüchtete beschäftigen (möchten) unser Willkommenslotse Ansprechpartner. (siehe Websiteangaben bei Frage 6)

Bei Schwierigkeiten in der Ausbildung gibt es das Projekt „Erfolgreich ausgebildet – Ausbildungsqualität sichern“ mit unserem Ausbildungsbegleiter Hr. Ullrich-Pfister. Das Projekt „Erfolgreich ausgebildet – Ausbildungsqualität sichern“ unterstützt Auszubildende in gefährdeten Ausbildungsverhältnissen und fördert die Ausbildungsqualität in den Betrieben. Das Projekt wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg gefördert.