Im Zuge unserer Recherche zum Thema “Azubi-Mangel im Handwerk“ hatten wir die Möglichkeit Frau Eikemeier von der Agentur für Arbeit einige Fragen zu stellen. Welche Antworten Sie für uns bereit hatte, lesen Sie im Folgenden.

Welche Tipps haben Sie als Agentur für Arbeit an einen Betrieb, der Ausbildungsstellen nicht besetzen konnte?

Ich würde jedem Betrieb raten, sich an seine örtliche Agentur für Arbeit zu wenden. Weil wir dort mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Arbeitgeberservice und der Berufsberatung Kontakt haben zu Jugendlichen. Viele von ihnen sind noch auf der Suche und wir können sie vielleicht für einen Beruf neben oder knapp neben ihrem Traumberuf gewinnen, der dann vielleicht in diesem Betrieb möglich ist. Hat das Ausbildungsjahr schon begonnen, dann kann man auch nach Jugendlichen schauen, die gerade eine Ausbildung aus irgendwelchen Gründen haben abbrechen müssen. Da möchte ich auch den Betrieben Mut machen zum besten Azubi auf den zweiten Blick. Und dann ist es natürlich so, dass wir Auszubildende während der Ausbildung unterstützen können. Wenn sie zum Beispiel Schwierigkeiten in der Berufsschule habenkönnen wir mit ausbildungsbegleitenden Hilfen unterstützen, das ist eine Art Nachhilfe. Also da möchte ich auch Mut machen, dass Betriebe Jugendlichen eine Chance geben, die auf den ersten Blick nicht aussehen wie der ideale Bewerber, aber sich trotzdem als solcher herausstellen könnten.

Frau Eikemeier, Sie haben jetzt direkt die Wechsler angesprochen. Würden Sie Betrieben raten, sich nicht vor diesen zu verschließen?

Absolut. Manchmal kommt es ja zu einem Ausbildungswechsel, weil es menschlich nicht gut gepasst hat oder weil der gewählte Beruf vielleicht doch nicht das gehalten hat, was der Jugendliche sich darunter versprochen hatte. Und vielleicht bietet der eigene Betrieb dann doch noch eine Möglichkeit dem Wunsch des Azubis näherzukommen. Deswegen würde ich Betrieben raten genau hinzuschauen, aus welchen Gründen der Wechsler gewechselt hat und ob das eine gute Chance ist einen Ausbildungsplatz doch noch zu besetzen.

Wie kann ein Betrieb seine Chancen im Azubi-Marketing verbessern um trotz Azubi-Mangel und Trend zu höherer Schulbildung Azubis für sich zu gewinnen?

Betriebe haben dann schon einmal besser Chancen, wenn sie den Jugendlichen die Möglichkeit gegeben haben in den Betrieb hineinzuschnuppern. Also ich würde auf jeden Fall die Lanze brechen für Schülerpraktika, Tag der offenen Türen oder auch die Teilnahme an Ausbildungsmessen. Damit hat man den Jugendlichen schon einmal gesehen und auch die Jugendlichen kamen bereits in Berührung mit dem Betrieb, damit wird die Hemmschwelle sich zu bewerben gesenkt. Den persönlichen Kontakt zu den Jugendlichen über diese Möglichkeiten würde ich jedem empfehlen.

Zuvor hatten Sie bereits die Hilfestellungen für Auszubildende genannt. Gibt es auch Hilfestellungen durch die Agentur für Arbeit, die Betriebe speziell auf der Suche nach Auszubildenden unterstützt?

Der Arbeitgeberservice der lokalen Agentur für Arbeit betreibt selbst auch Ausbildungsvermittlung. Man kann also seine Ausbildungsstelle bei der örtlichen Agentur für Arbeit melden und diese nach einem Auszubildenden suchen lassen. 

Gibt es Fördermöglichkeiten von der Agentur für Arbeit für Betriebe in die Richtung Coaching, Tipps zum Umgang mit einem Auszubildenden, welche gerade für Neueinsteiger in der Ausbildung interessant sein könnten?

Dadurch, dass wir in den Arbeitgeberservices auch Ausbildungsvermittlung betreiben, haben wir hier die erste Möglichkeit den Betrieben unter die Arme zu greifen. Auch Förderungen während der Ausbildung durch ausbildungsbegleitende Hilfen oder eine Einstiegsqualifizierung gibt es. Es besteht auch die Möglichkeit den Azubi direkt zu fördern, zum Beispiel wenn dieser eine Unterkunft benötigt, da er die Ausbildung nicht vom Elternhaus aus beginnen kann. Ich empfehle immer, dass Ausbildungsbetriebe, bei jedem Problem, das sie haben sich an die örtliche Agentur für Arbeit wenden.

Sie haben bereits die Einstiegsqualifizierung genannt. Welche Voraussetzungen muss ein Betrieb hierfür haben und darf ein Betrieb, der nicht ausbilden möchte, eine Einstiegsqualifizierung anbieten?

In den gesetzlichen Grundlagen ist verankert, dass ein Betrieb Ausbildungswillig sein muss, um eine Einstiegsqualifizierung anbieten zu können. Also muss ein Betrieb bereit sein, den Jugendlichen in der Einstiegsqualifizierung auch auszubilden, es sei denn es sprechen konkrete Punkte dagegen. Man sollte beachten, dass ein Jugendlicher erst eine Einstiegsqualifizierung machen kann, nachdem das Ausbildungsjahr begonnen hat und nachweislich keinen Ausbildungsplatz bekommen hat.

Sie als Agentur vermitteln dann Jugendliche für die Einstiegsqualifizierung und gegebenenfalls auch Migranten mit Fluchthintergrund?

Genau, wenn diese bei uns gemeldet sind, dann versuchen wir diese zu vermitteln. Man muss jetzt hier etwas unterscheiden. Bei Leistungsschwächeren können wir auch während der Ausbildung mit den ausbildungsbegleitenden Hilfen unterstützen.

Bei Personen aus nicht europäischen Asylzugangsländern können wir auch schon vor der Aufnahme einer Ausbildung verschiedene Förderketten voranstellen, zum Beispiel Praktika mit Deutschkursen. Natürlich dürfen auch Migranten mit Fluchthintergrund, wenn Sie eine Aufenthaltsgenehmigung haben, auf Fördermittel zugreifen. Bei Interesse junge geflüchtete Menschen auszubilden empfehle ich dann noch einmal auf die ortsansässige Agentur für Arbeit zuzugehen und dort anzufragen. Da hier oftmals die Sprachbarriere ein Problem darstellt, haben wir hier andere Fördermöglichkeiten.

Welche Dinge muss ein Betrieb beachten, wenn er einen Leistungsschwächeren oder Migranten ausbilden möchten?

Zu aller erst muss ein Betrieb darauf achten, dass Fördermittel vor der Ausbildung beantragt werden, außer bei den ausbildungsbegleitenden Hilfen diese können während der Ausbildung beantragt werden. Wichtig ist, Fördermittel immer vor der Maßnahme zu beantragen. Dann sollte man bei Migranten mit Fluchthintergrund noch auf den Aufenthaltsstatus achten. Am einfachsten ist es, wenn der Auszubildende dann bereits eine Aufenthaltserlaubnis hat, dort kann man davon ausgehen, dass er für die Dauer der Ausbildung in Deutschland bleiben kann. 

Bei Personen mit Fluchthintergrund die nur eine Duldung oder eine Aufenthaltsgestattung haben, braucht man zusätzlich eine Beschäftigungserlaubnis, diese kann man bei der Ausländerbehörde einholen. 

Hier muss man aber auch unterscheiden, bei einer Duldung, die nach dem Aufkommen der 3 + 2 Regelung erteilt wurde. Ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Person über die Dauer der Ausbildung und zwei Jahre darüber hinaus in Deutschland bleiben darf! Bei Personen mit Aufenthaltsgestattung muss man sich vorher informieren, ob das Herkunftsland nicht bereits wieder als sicheres Land gilt. Hierzu gibt es auch einen Infokasten auf der Seite Jobstarter.

Gibt es bei Schwierigkeiten(im Sprachgebrauch, Arbeitsmoral) mit einem Auszubildenden mit Fluchthintergrund eine Anlaufstelle bei der Agentur für Arbeit?

Die Agentur für Arbeit und die Jobcenter sind immer bemüht Ausbildungsabbrüche zu verhindern und bieten damit eine gute Anlaufstelle. Es gibt die Möglichkeit einen Ausbildungscoach einzusetzen, der den Auszubildenden unterstützt, aber auch bei den ausbildungsbegleitenden Hilfen kann hier ein unterstützendes Angebot stattfinden.